| Kriegsjournalismus und Krieg gegen den Journalismus |
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Heute haben wir, während unser Planet durch zahllose Konflikte
innerhalb von Gruppen, zwischen Staaten und selbst innerhalb von
kulturellen Sphären „vermint" ist, einen gewaltigen Bedarf nach «
Friedensjournalismus», der uns die Schlüssel bietet, um diese Konflikte
zu verstehen, der uns Materien verschafft um die Widersprüche zu
erfassen, die diese Konflikte reflektieren und der uns Hinweise zum
Nachdenken über die Art und Weise bietet, wie man diese Konflikte
verwandeln und transzendieren kann. Wenn es um
Konfliktberichterstattung geht, verfügen wir heute- denn man muss es
zugeben- vor allem in den «Grossen Medien» über einen
«Kriegsjournalismus», der «Konflikt» und «Gewalt» verwechselt und der
leider nur über die Symptome berichtet, d.h. über den Tod, die
Zerstörung und der sich weder für die Konfliktursachen noch für die
Mittel einer Lösung interessiert.
Am Anfang vom letzten
Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts hat der Krieg gegen den Irak
(1991) die Rolle der Medien, als eine äusserst gefährliche
«Kriegswaffe» enthüllt. Die CNN-Berichterstattung während der
«Operation Wüstensturm» gab uns das Musterbeispiel einer einseitigen
Information, die im Dienst des Pentagons steht um das Konzept vom
«chirurgischen Krieg» zu propagieren. Am Anfang von diesem Jahrhundert
haben uns die Kriege gegen Afghanistan (2001) und gegen den Irak (2003)
diese Rolle bestätigt und sie wurde durch das Auftreten vom «embedded»
Journalisten, d.h. der der Militäreinheit ergeben, von ihr zugelassen
und dort aufgenommen ist, noch intensiviert.
Diese ersten Kriege des 21. Jahrhunderts, die von den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten geführt werden haben uns aber auch enthüllt, dass CNN und Fox News nicht mehr das Nachrichtenmonopol über die bewaffneten Konflikte besitzen. Neue Medien haben uns ihre Fähigkeit bewiesen einen «anderen» Standpunkt darzubieten. Es ist besonders der Fall des katarischen Nachrichtensenders Al-Dschasira - um Johan Galtung (Reporting Conflict) zu paraphrasieren - der in dem Moment wo CNN über den Abschuss von Raketen und Bomben berichtete, einen Bericht über deren Aufschlag auf dem Gebiet sendete und über die verursachten, verheerenden Folgen dieser Angriffe, die nicht so chirurgisch sind, wie sie es uns sagen wollen. Natürlich hat die US-amerikanische Administration diese unerwartete Medienkonkurrenz nicht geschätzt; denn sie ist von den dort gezeigten Bildern durchkreuzt worden, die eine andere Beschreibung der Realität dieser Kriege, die im Namen des Anti-Terror-Kampfs geführt werden, wiedergaben und die das Bild der US-amerikanischen Armee, als Befreierin der afghanischen und irakischen Völker beeinträchtigten. So hat Al-Dschasira, im Jahre 2001, während der Invasion von Afghanistan, den Zorn Washington verursacht, worauf sein Büro in Kabul von den US- Amerikanern bombardiert wurde. Während der Invasion vom Irak, im Jahre 2003, war es das Büro in Bagdad, das einen gleichartigen Angriff hinnehmen musste und wobei ein Korrespondent des Senders getötet wurde. Ende Juli 2003 erklärte bei Fox News der einflussreiche Paul Wolfowitz, damals stellvertretender Verteidigungsminister, der verärgert durch die Flut der Bildern aus dem Irak war, die er nicht kontrollieren konnte, dass Al-Dschasira «das Leben der US-amerikanischen Truppen in Gefahr setzen würde». Georges W. Bush hätte sogar, laut der britischen Tageszeitung Daily Mirror vom 22. November 2005, bei seinem Treffen im Weissen Haus mit Tony Blair, im April 2004, die Bombardierung des Hauptsitzes von Al-Dschasira in Doha in Betracht gezogen. Im Rahmen von diesem Kontext des Kriegs gegen den Journalismus, der nicht dem Willen der US-amerikanischen Administration unterliegt, geschah in Peshawar, im Jahre 2001, die Verhaftung des Journalisten Sami Al- Haj, der dort für Al-Dschasira Bericht erstattete, seine Inhaftierung in Bagram und dann seine Überführung in das grauenhafte Lager von Guantanamo Bay. Er verbrachte sieben Jahre auf diesem aussergerichtlichen Gebiet, ein Ort der Entmenschlichung, sieben lange Jahre in Isolation, in einer winzigen Zelle, akzentuiert durch zahlreiche Folterungen, durch häufige Szenen der Demütigung und durch wiederholte Hungerstreiks, bevor er am 1. Mai 2008, in einem dramatischen Gesundheitszustand befreit wurde, ohne dass jemals eine Anklage gegen ihn erhoben, noch ein Urteil ausgesprochen worden ist. Bei der Ehrenzeremonie, die vor drei Wochen im Hauptsitz von Al-Dschasira für Sami Al- Haj organisiert worden war, hat er bestätigt, dass er Guantanamo Bay mit dem festen Willen verlassen hat, sich nicht nur mit all seinen Kräften für die Befreiung seiner Duzenden von Mitgefangenen einzusetzen, von denen einige, durch die Haftbedingungen, zum Selbstmord getrieben wurden oder in den Wahnsinn verfallen sind, sondern dass er sich auch für die 27 000 inhaftierten Opfer einsetzen wird, die willkürlich in Geheimgefängnissen im Irak, in Afghanistan und anderswo inhaftiert sind, sowie für die definitive Schliessung dieser neuen Zwangslager. Sami Al-Haj, den die Fondation Alkarama for Human Rights für eine „Sensibilisierungstour" innerhalb der UNO-Instanzen und der NGOs der Menschenrechte eingeladen hat, hält sich in dieser geistigen Verfassung in Genf auf. Möge dieser Besuch uns über die wahre Natur und über die Ansichten dieser orangegekleideten menschlichen Wesen aufklären, die man uns Jahre lang als Monster beschrieben hat, die die freie Welt bedrohen. Abbas Aroua 27. Juni 2008 Siehe: Alkarama for Human Rights Heute Abend, um 19 Uhr, wird im Centre International de Conferences de Genève (CICG) eine öffentliche Konferenz stattfinden, die von Herr Sami Al-Haj geleitet wird. Übersetzung aus dem Französischen: Monica Hostettler |